Ich beginne meine Weltreise mit der Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran über den E5!

Aktualisiert: 19. Sept.


Der Tag, den ich nun seit einem dreiviertel Jahr erwarte, ja womöglich bereits mein gesamtes Leben unterschwellig in meinem Innersten herbeisehne, ist nun endlich gekommen! Es ist der erste September 2022 und ich beginne heute meine Weltreise. Der September ist für viele Menschen oft eine ungewisse Zeit des Neuanfangs. In diesem Monat beginnen oft neue Lebensabschnitte und Entscheidungen wie ein neuer Beruf, eine Ausbildung, Studium oder ein anderes gewichtiges Ereignis, welches den Kurs unseres Lebens maßgeblich beeinflussen wird. Manchmal lösen diese Abzweigungen im Leben bei uns Angst und Zweifel aus, andere empfinden dabei Begeisterung und Vorfreude. Egal welche dieser Emotionen es bei jedem einzelnen von uns ist, es gehört immer eine gewisse Portion Mut und Entschlossenheit dazu, etwas Neues zu beginnen und sich auf ein unvorhergesehenes Kapitel und Abenteuer in unserem Leben einzulassen. Also nur Mut euch allen da draußen, die vor einer großen Entscheidung im Leben stehen, diese ein weiteres Mal aufschieben oder sich manchmal unsicher sind und nicht so recht trauen, sich für einen Weg zu entscheiden! Nichts ist fataler als der Stillstand und die Schockstarre!


Weltreise? Was heißt das genau Norrdine? Hast du ein "Around the World Ticket" erworben und jettest damit um die Welt auf alle Kontinente, in viele Länder und von Stadt zu Stadt und lebst von Hotel zu Hotel? Wie lange wirst du unterwegs sein und musst du immer wieder zwischendrin arbeiten, um Geld zu verdienen oder wie finanzierst du das Ganze? Hast du alles bereits fest geplant und minutiös getaktet oder lässt du dich einfach treiben und schaust was passiert? Und wirst du jemals wieder nach Deutschland zurückkommen? Diese Fragen und viele mehr wurden mir bereits im Vorfeld gestellt und ich werde Sie euch im Verlauf dieses Abenteuers, soweit ich dazu in der Lage bin beantworten und euch an allen Eindrücken mitsamt allen "Höhen" und "Tiefen", wunderschönen und ungeschönten Erlebnissen und Erfahrungen auf meiner Reise mitnehmen.

So viel kann ich euch verraten, der grobe Plan ist einmal ostwärts um die Welt zu reisen!

Diejenigen unter, euch die mich bereits etwas kennen, wissen, dass ich Bergsteiger mit Leib und Seele bin. Es ist nicht nur ein Hobby oder eine Affinität. Berge zu erfahren ist für mich eine Lebensphilosophie, die seit ca. 11 Jahren tiefgreifend in meinem Wesen verwurzelt ist. Also suche ich selbstverständlich während meiner Reise rundherum um unseren wunderbaren blauen Planeten, die hohen Gebirge der einzelnen Kontinente auf, um die höchsten und atemberaubendsten Gipfel dieser gigantischen Formationen erklimmen und bestaunen zu dürfen. So möchte ich gerne die jeweils höchsten und schönsten Berge der jeweiligen Länder besteigen und, wenn möglich, so viele der Seven Summits und hoffentlich auch ein paar der 14 Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff erklimmen. Ich empfinde eine generelle, sowie außerordentliche Bewunderung für diese unbegreiflich schöne Natur auf unserer einzigartigen, kleinen blauen Kugel in diesem unfassbar und unendlich großem Universum an Land und in den Ozeanen, weshalb ich neben dem dasein als Bergsteiger auch begeisterter Taucher bin. Deshalb führt mich mein Weg darüber hinaus gemeinsam mit euch zu den unfassbar lebensreichen Riffen der Weltmeere und weiteren Mysterien, die unter der Wasseroberfläche liegen. Auf dem Weg zu diesen besonderen Naturphänomenen begegnen wir natürlich auch Land und Leuten und tauchen ungefiltert in die verschiedenen Kulturen, Essgewohnheiten, Ansichten, Glaubenssätze und tatsächlichen Lebensrealitäten der Menschen verschiedener Länder ein, um diese hautnah mitzuerleben. Ich kann es kaum erwarten, all diese Eindrücke zu erleben und mit euch zu teilen.

Die Reise wird wohl in etwa 2 bis maximal 3 Jahre dauern. Zumindest so lange kann ich es mir erlauben, von meinem Ersparten zu leben und zu reisen, ohne nebenbei zusätzlich Geld verdienen oder arbeiten zu müssen. Ich habe also meinen alten Job gekündigt und alle weiteren Angebote, wie "Karriere" oder Remote Work Optionen abgelehnt, um mich mit jeder Facette meiner Existenz auf diese Reise und Erfahrungen konzentrieren zu können. Zusätzlich habe ich meinen gesamten Fixkostenblock auf ein Minimum reduziert, um Kosten zu sparen. Damit einher ging, dass ich meine geliebte Wohnung bei ganz wundervoll herzlichen Menschen aufgegeben und nahezu all meine Besitztümer verkauft habe. Folglich bedeutet das, dass ich mit limitierten Ressourcen auskommen muss und wir daher nicht im größten Luxus unterwegs sein werden. Mein Stil wird recht minimalistisch geprägt sein. Alles was ich besitze ist mein Rucksack samt einem 2-Personen Zelt auf meinen Schultern und eine Tasche mit Bergsteigerausrüstung, die ich von Gebirge zu Gebirge schicken werde. Diese limitierte Ausrüstung zusammen mit meinem Namen, einem dazugehörigen Bankkonto, einem Pass und dem immateriellen Erfahrungsschatz, den ich in den letzten 34 Jahren sammeln durfte, bilden die Basis für dieses Abenteuer und seine unvorhergesehenen Herausforderungen.

So führt mich mein Weg also unvorbereitet und ungeplant stets entgegen der aufgehenden Sonne grob nach Osten. Zu Fuß, mit dem Bus, per Bahn, mal mit der Fähre, per Anhalter und wenn nötig auch durch die Lüfte von Land zu Land zu den jeweils höchsten Bergen, wundervollen Riffen, wahrhaft meisterlichen und detailversessenen, sowie beeindruckenden Sehendwürdigkeiten der Menschheit und verschiedenen Kulturen. Dabei lasse ich mich unterwegs von den Locals und von anderen Reisenden mit weiteren Ideen, Erfahrungen, Empfehlungen und Zielen inspirieren und koste unterwegs die verschiedenen Geschmäcker jeglicher Köstlichkeiten, die die verschiedenen Kulturen tagtäglich ih ihrer Heimat zubereiten.

Diese Art und Weise zu reisen ist meiner Meinung nach die spannendste, entspannteste und ereignisreichste Form des Reisens, denn man ist sehr flexibel und kann bei Bedarf spontan umdisponieren. Man kann einfach länger an Orten verweilen, an denen es einem besonders gut gefällt, Zeit mit interessanten Menschen verbringen und Gespräche führen, die man sonst womöglich nicht hätte und die Momente so genießen, wie sie nunmal kommen. Man kann spontan Empfehlungen folgen und ein paar Umwege mit einplanen oder einfach weiterziehen, wenn man das Bedürfnis verspürt, an den nächsten Ort zu gelangen.


Also, wie geht es los und wo fangen wir an?!


Na, ich würde sagen ganz einfach! Wir packen unser Zeug zusammen, wuchten die schwere Ausrüstung auf unsere Schultern, ziehen die Wohnungstür ein allerletztes Mal hinter uns zu und gehen einfach los und schauen, wie weit uns die Füße heute tragen! Gesagt, getan!

Also gehe ich die Treppen hinunter und verabschiede mich von meinen Vermietern. Für mich aber sind es ganz besondere Menschen, die mich in den letzten drei Jahren wie einen Teil ihrer Familie aufgenommen haben. Mir jederzeit offen, warm und herzlich begegneten und mich untersützten wann immer ich darum gebeten habe. Wir haben oft zusammen zu Abend gegessen und kleine gemeinsame Feste gefeiert. In der Zeit, die ich ohne meine Familie im Allgäu verbracht habe waren sie immer für mich da und haben mir ein Gefühl von "Zuhause", Geborgenheit und Zugehörigkeit vermittelt. Mir fällt der Abschied von diesen tollen Menschen sehr schwer und ich bin unendlich dankbar für diese Begegnung, die hoffentlich nicht die letzte in meinem Leben war. Jeder Abschied fällt schwer und bringt die eine oder andere Träne mit sich. So auch der Abschied von meinen Arbeitskollegen, die mich alle jederzeit sehr liebevoll und überaus wohlwollend Tag für Tag begleitet haben. Und natürlich auch der Abschied von meinen Freunden, Menschen die mir wichtig sind und nahe stehen und von meiner Familie. Ihr seid alle einfach großartig gewesen. Jede und jeder einzelne von euch war für mich immer eine große moralische Stütze, Fürsprecher und Kritiker zugleich. Genau das was ich brauche und meinem Bedürfnis und Vorstellung von zwischenmenschlicher Beziehung entspricht! Danke euch allen vielmals dafür! Ich sage all diesen Menschen Lebwohl und bis bald und beginne damit einen Schritt nach den anderen in diesen neuen, aufregenden Lebensabschnitt zu setzen!

So wie ich es mir immer vorgestellt habe, gehe ich nun einfach los! Ich laufe die ersten 1,5km zur nächstgelegenen Bushaltestelle und spüre bereits jetzt mit jedem Schritt, wie schwer dieser unheimlich große Rucksack, in dem ich versucht habe, mein Leben für die nächsten zwei Jahre zu verpacken auf meinen Schultern lastet. "Mein Körper wird sich wohl an diese neue Belastung gewöhnen müssen", denke ich mir und schreite entschlossen und mit einem überwältigendem Gefühl von Freiheit voran. Ich bin von der Tatsache nun "frei" zu sein so unendlich ergriffen und realisiere, welch spürbar extreme Tragweite dieser Moment in sich birgt, so dass ich meine Tränen jetzt, da ich alleine mit mir bin, nicht länger zurückhalten kann. Nun hat mich die Welt also und ich bin für die nächsten zwei Jahre ein Teil von Ihr, in Ihr bin ich jetzt zu Hause und jeder Tag wird anders und nicht von Routinen geprägt sein. Tage, an denen ständig neue Herausforderungen, sowie kleine und große Probleme auf mich zukommen und gemeistert werden wollen. An der Bushaltestelle angekommen und nach einer kurzen Wartezeit steige ich in den Bus nach Immenstadt ein und nehme anschließend von dort aus den Zug nach Oberstdorf. Von hier aus startet der offizielle Teil der Alpenüberquerung des E5 nach Meran!

Vom Bahnhof in Oberstdorf aus kann man bereits direkt mit der Wanderung beginnen. Die erste Etappe des E5 führt ca. 8 km am Fluss Trettach entlang, vorbei am Christlessee nach Spielmannsau. Dieser Ort lässt sich auch mit dem Bus erreichen. Ich suche vorher noch einen Supermarkt auf, um mich mit ausreichend Proviant für die nächsten drei Tage einzudecken. Energiedichte und Kalorien pro Gramm und auch pro Volumen spielen dabei eine essenzielle Rolle. Gleichzeitig muss die Ernährung zwischen den drei Energieträgern, Fett, Protein und Kohlenhydraten ausgewogen sein. Dazu sollte diese auch noch alle nötigen Vitamine und Nährstoffe enthalten und in meinem speziellen Fall auch noch Vegan sein. Diese Kombination wird zukünftig definitiv zu einer Herausforderung unterwegs werden, möchte ich nicht in den kommenden Monaten unter Mangelernährung leiden oder zu viel Muskelmasse verlieren. Bereits hier beim Einkaufen erwarten mich die ersten erstaunten Blicke, weil ich so einen riesigen Rucksack mit mir rumtrage und die ersten Menschen beginnen bereits interessiert Fragen zu stellen und wollen erfahren, was ich denn mit so einem riesigen Rucksack vor habe. Sie ahnen, dass ich länger auf Reisen bin oder gehe und möchten gerne meine Geschichte und Beweggründe erfahren. Ich lasse mich sporadisch auf die Gespräche ein, je nachdem wie ich gerade Lust dazu habe und vertiefe diese sogar. Eines wird mir jedoch gleich klar. Die Menschen hegen viel Begeisterung für mein Vorhaben, eröffnen mir, dass Sie insgeheim auch von so einer Reise träumen und ihnen manchmal der Mut fehlt, ihre Ketten einfach los zu schlagen. Es sind sehr anregende Gespräche und ich bekomme ein Gefühl dafür, welche Unentschlossenheit und Sehnsüchte in manchen Menschen schlummert. Gleichzeitig scheint der ein oder andere mit seinem derzeitigen Status quo nicht einverstanden zu sein und sucht zum Teil orientierungslos nach einer Lösung oder einem Ausweg aus der eigenen Unzufriedenheit. Ich verstehe die Situation in der sie sich befinden, ging es mir doch bis vor kurzem selbst noch so, denn ich merkte, dass ich mit der Art und Weise wie ich mein Leben führte nicht einverstanden und folglich auch nicht zufrieden bin. Habe ich somit schon eine Lösung dafür gefunden? Mit Gewissheit nicht! Ich weiß nur, dass ich mit dieser Reise nun erst einmal etwas mache, das mir Freude bereitet und schon immer ein tief in mir steckender wunsch ist. Ich hoffe und spekuliere darauf, dass ich in diesen beiden Jahren, in denen ich sehr viel Zeit mit mir und meiner Gedankenwelt verbringen darf, zu einer Vorstellung komme, wie ich zukünftig mein Leben gestalten möchte. Ich verabschiede mich von meinen Gesprächspartnern und verlasse den Supermarkt. Gut eingedeckt mit allerlei Köstlichkeiten und nochmal ca. 3 Kilo schwerer stapfe ich also hinaus.

Von Spielmannsau erhascht man bereits einen ersten Einblick in das Tal, welches man aufwärts entlang des Sperrbachtobel wandert, um die Kemptner Hütte nordöstlich der "Berge der guten Hoffnung" zu erreichen. Dieser Teil ist ca. 6 km lang, während man gleichzeitig 920 Höhenmeter von ca. 980 Meter über dem Meeresspiegel auf 1850 hm steigt. Ich beginne den ersten Aufstieg und komme bereits kräftig ins Schwitzen. Der Rucksack ist außerordentlich schwer und beeinflusst anfangs noch meine Trittsicherheit und Balance. Ich bin viel langsamer und angestrengter unterwegs als ich es sonst gewohnt bin, denn üblicherweise bin ich mit wenig oder manchmal fast gar keinem Gepäck unterwegs. Schnell, leicht und wendig ist meine Devise am Berg. Jedoch mit meinem Leben verpackt auf meinen Schultern ist dies nun nicht mehr so einfach, wie ich es gewohnt bin. Ich rede mir voller Zuversicht ein, dass sich mein Körper und meine Muskeln an diese Belastung sehr schnell gewöhnen werden und ich daraus nur gestärkter hervorgehen werde. Also motiviere ich mich, obwohl ich bereits den schmerzenden Druck auf meinen Schultern spüre und erhöhe mein Tempo!

Der Weg ist anfänglich ein kurzes Stück flach und geteert und biegt dann nach Links den Berg hinauf in den Wald ab. Man riecht überall die feuchten Blätter und die Farne des Waldes und ich vernehme das konstante Rauschen des Flusses unter mir. Das saftige Grün der Blätter schimmert über mir und ich atme die klare und kühle Luft tief in meine Lungen ein. Ich liebe das Gefühl, wenn die kalte Luft meine Lungen füllt und meinen Brustkorb anhebt. Als würde die Natur über den Sauerstoff ihre unbändige Kraft direkt in meinen Körper transportieren und mich von innen heraus stärken.

Nach einer Weile aufwärts durchs Grün öffnet sich der Wald langsam und es wird lichter.

Man überquert den Fluss, um an die linke Flanke des Tobels zu gelangen. Ich bin froh, dass es heute nicht zu warm ist und die Sonne nicht auf mich hinab brennt, denn ich muss mich erst an mein neues Equipment, welches mir ziemlich heftig den Schweiß auf die Stirn treibt, gewöhnen. Das Wasser tropft mir von der Stirn und läuft mir das Gesicht hinab, dabei handelt es sich wahrscheinlich hauptsächlich um meinen eigenen Schweiß und nur zu geringem Teil um den leichten Regen und den feuchten Nebel in der Luft.

Ein Stück weiter und nun hat man einen freien Blick auf die nebelverhangenen Wände, Berge und Gipfel, dabei erkennt man den Tobel, sowie den links davon aufsteigenden Weg, der einen Schritt für Schritt das Tal entlang führt und mit jedem Anstieg höher steigen lässt.

Der Weg ist jederzeit gut markiert und leicht zu erkennen! Dieser Teil, der von Spielmannsau zur Kemptner Hütte führt, sollte nicht länger als 3 Stunden dauern. Weiter oben erkennt man bereits den tiefhängenden Nebel, der die Gipfel und Hänge verdeckt!

Es regnet und nieselt immer wieder ab und an, also bleibe ich kurz stehen, um das orangene Raincover über meinen enormen Rucksack zu ziehen, denn der Inhalt sollte unbedingt so lange wie möglich und so gut wie möglich vor jedweder Feuchtigkeit geschützt werden. Eine nasse Ausrüstung ist der absolute Albtraum eines jeden Rucksackreisenden!

Christian und seine Mutter Rosario aus Ecuador überholen mich und erzählen mir im Nachhinein, dass sie sich dachten "schau mal, ein Typ mit einem riesigen orangenen Haus auf dem Rücken steigt ebenfalls diesen Pfad rauf". Das war dann wohl ich, der sich langsam aber sicher mit seiner Last im leichten Regen anfreundete!

Es lässt sich jedoch aushalten und der Regen ist sehr mild, ja fast schon erfrischend! Ich weiß die Sonne und Wärme durchaus zu schätzen, jedoch liebe ich auch die kühle Luft, wenn sie mich umgibt.

Ich kenne den Weg bereits, da ich vor einigen Wochen hier erst wie eine Rakete entlang geschossen bin, als ich den Heilbronner Weg von der Rappenseehütte zum Kemptner Haus und runter nach Spielmannsau gerannt bin. Daher weiß ich, dass es nur noch eine letzte, steile, große Rechtsbiegung hinauf ist und ich bald die Kemptner Hütte erreichen werde.

Da erkenne ich die Hütte doch schon im Nebel! Die Schultern schmerzen zwar ein wenig und der Gurt drückt stark auf meine Hüfte, aber wer hat schon gesagt, dass es einfach werden wird?

Endlich... naja, fast geschafft. Da ich (unerlaubterweise) mit dem Zelt unterwegs bin, steige ich von hier nochmal ca. eine halbe Stunde aufwärts zum Sattel neben dem Mutterkopf. Aber vorher schau ich mal in die Hütte, lade mein Handy kurz auf und trinke ein Skiwasser!

Die Hütte scheint brechend voll zu sein und den Gästen wird gerade das Abendessen serviert. Ich erkenne einige der Bergsteiger wieder, an denen ich oder die an mir vorbeigezogen sind und unterhalte mich kurz mit ihnen. Nach einer kurzen Verweilzeit in der Hütte klart es draußen auf und die untergehende Abendsonne zeigt eines ihrer spektakulären und magischen Phänomene in den Bergen. Das sogenannte "Alpenglühen"

Dieser Effekt tritt genau dann auf, wenn die Sonne im Begriff ist unterzugehen und noch einmal ihre letzten, starken, goldgelbenen und orangenen Strahlen auf die höchsten Gipfel in der Umgebung wirft bevor sie vollends hinterm Horizont verschwindet, somit das nahende Ende des Tages einläutet und den Weg für eine sternenreiche Nacht bereitet.

Ich staune wie jedes Mal, wenn ich dieses Schauspiel erleben darf und halte den Moment für euch fest! Anschließend mache ich mich weiter auf den Weg nach oben zum Sattel, damit ich noch vor Einbruch der Nacht einen schönen, bequemen, möglichst flachen, hoffentlich trockenen und geeigneten Schlafplatz finde.

Ein paar Höhenmeter gilt es nun nochmal in Angriff zu nehmen, auch wenn ich ein wenig müde bin. Hätte ich mal die Nacht zuvor mehr geschlafen und wäre nicht so spät ins Bett gegangen.

Ein herrlicher Blick zurück überrascht mich mit einem eindrucksvollen Farbenspiel am Horizont, während der Nebel langsam aber sicher die Kemptner Hütte umhüllt.

Letztendlich erreiche ich den Sattel und bin froh, dass ich mich nun bald ausruhen kann.

Der Wind pfeift nun schnell und kühl über den Sattel und trägt den dichten kalten Nebel aus dem Tal rasch nach oben in die Höhe, wodurch meine Hände bald darauf kalt werden.

Mir wird nun langsam auch am gesamten Körper etwas kälter. Ich sollte mich also beeilen und mein Zelt aufstellen!

Hinzu kommt auch noch, dass ich langsam hungrig werde. Außerdem wollte ich jeden Tag im besten Fall vor Sonnenuntergang mein Zelt aufstellen, damit ich anschließend noch genug Zeit habe, um an meinem Buch zu schreiben, mich um meine Ausrüstung zu kümmern und früh ins Bett komme, damit ich gut ausgeschlafen und früh am Morgen in die neue Etappe starten kann.

Ich hatte das Zelt mal wieder schief aufgebaut, aber für die Nacht, die verspricht, trocken zu bleiben, sollte es reichen. Ich blase meine Luftgefüllte Isomatte auf und breite meinen Schlafsack über der Matte, die mich vor dem kalten und unbequemen Boden schützt aus. Ich verstaue meine Ausrüstung im Zelt und platziere meine Stirnlampe für die Nacht an einem Ort in einer Seitentasche der Zeltwand, wo ich sie jederzeit finden kann für den Fall, dass ich nachts raus auf die grüne Toilette muss. Meine feuchten Socken und meine Sonnenbrille hänge ich an der Schnur unterhalb der Zeltdecke auf und beginne damit mein Abendessen vorzubereiten. Ich hole das Vollkornbrot aus meiner Tasche, teile die essreife Avocado in der Mitte und streiche den leckeren, nahrhaften und köstlichen Inhalt auf meine Brotscheiben. Danach schneide ich die mitgebrachte Salatgurke und die saftigen Tomaten in Scheiben und vervollständige damit mein Avocado Vollkornbrot. Ein wenig Salz, Pfeffer und Gewürze darüber und fertig ist mein perfektes Abendessen für diesen Tag. Im Anschluss gehe ich nochmal kurz hinaus in die Kälte, verrichte meine Notdurft und putze mir die Zähne. Der Tag neigt sich nun dem Ende entgegen und es ist bereits dunkel draußen vor dem Zelt. Meine Augen und mein Kopf sind bereits schwer vor Müdigkeit, aber ich motiviere mich noch, um etwa für eine halbe Stunde meine Gedanken und Eindrücke des Tages schriftlich festzuhalten, während ich bereits eingekuschelt in meinem warmen Schlafsack liege. Ich schreibe noch einen allerletzten Satz, mache einen Schlusspunkt verräume die Schreibunterlagen und knipse das Licht meiner Stirnlampe aus. Das war der erste von ca. 730 weiteren Tagen meiner Reise durch die Welt. Ich befinde mich auf ca. 1950-2000 hm mit meinem Zelt und schlafe gemütlich und wohl genährt in meinem Schlafsack ein und freue mich darauf, was der nächste Tag wohl für mich bereithält!


Diese Erfahrung teile ich dann mit euch in meinem nächsten Blog Eintrag!


Lasst mir gerne eure Gedanken und Kommentare da. Habt ihr bestimmte Fragen, die ich nicht beantworte habe? Oder interessiert ihr euch für ein Detail, welches ich möglicherweise ausgelassen habe? Schreibt mir gern alles in die Kommentare oder privat und gebt mir auch gerne euer Feedback, ob ihr euch mehr oder weniger Bilder, Videos, Beschreibung oder was auch immer wünscht. Für euer Feedback bin ich euch sehr dankbar! Wenn ihr mein Vorhaben und meine Erzählung dazu inspirierend findet und andere daran teilhaben lassen möchtet ,dürft ihr diesen Bericht gerne überall und/oder über Social Media oder was euch sonst so einfällt teilen. In kürze gibt es dazu auch eine englische Übersetzung und möglicherweise, wenn ich die Muße dazu finde, auch ein Youtube Video.


Liebe Grüße von irgendwo auf der Welt!


Norrdine Nouar


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